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Eine dunkle Nacht....

Begonnen von Ylenavei, 22. Juli 2009, 23:52:44

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Ylenavei

Es war eine laue Frühlingsnacht, und die Sterne funkelten über den Wäldern von Yew. Aufmerksam suchte Waldhüter Brennan mit seinen scharfen Elfenaugen seine dunkle Umgebung ab. Ihm genügte das wenige Licht der Nacht, um rasch zu erkennen, wenn sich irgendetwas zwischen den Bäumen bewegte.

Brennan hatte sich gefreut, dass es endlich Zeit zur Rotation gewesen war. Der lange Wachdienst in den düsteren, kalten Gängen des Verlieses war ermüdend und stumpfte die Sinne ab. So tauschten die Hüter regelmäßig ihre Aufgaben. Heute war er nun endlich wieder zur Streife in den offenen Wäldern eingeteilt, und leitete nun den kleinen Trupp, welcher in dieser Nacht zur Eindämmung einer Tierseuche ausgesandt worden war. Fünf Hüter standen unter seinem Kommando, welche auf leisen Sohlen und mit höchster Aufmerksamkeit die Wälder durchkämmten.

Soeben trat Selion aus dem Schatten der Bäume auf die kleine Lichtung, welche der Patrouillenführer gerade beobachtete. Der junge Waldhüter hielt einen kleinen Fuchs im Nacken gepackt, fest, aber nicht grob. In der Mitte der Lichtung kniete Ylenavei, die jugendliche Stimme Yews, und streckte Selion die Arme entgegen, um das Tier entgegen zu nehmen. Behutsam untersuchte sie den Fuchs, und streichelte ihn beruhigend, ehe sie die Hände über das Herz des Tieres legte und die Augen schloss. Brennan hatte das Leuchten, welches nun für einen Augenblick das Gesicht Ylenaveis erhellte, bereits so oft gesehen, und doch versetzte es ihn stets aufs Neue in Staunen, mit welcher Macht die junge Erste Druidin Yews die Ströme des Lebens zu lenken vermochte.

Der Waldhüter blinzelte, und konzentrierte sich erneut auf die Schatten zwischen den Bäumen. Es war still. Ein leises Rascheln erklang, als einer der Späher irgendetwas aufscheuchte. Ein kleines Tier, dessen Weg er gekreuzt hatte. Doch sonst rührte sich nichts. Als Brennan zur Lichtung zurück sah, rang Ylenavei gerade mit dem nun quicklebendigen Fuchs, der sich ihr nach Leibeskräften zu entwinden suchte. Mit einem leisen Lachen setzte sie das Tier vor sich auf dem Boden ab. Der Fuchs sah noch etwas verdattert zu ihr auf, ehe er Anstalten machte, sich zum Gehen zu wenden.

Doch dann verharrte er plötzlich, und starrte mit geweiteten Augen in Richtung seiner Gönnerin zurück. Seine Fell sträubte sich, und er hatte die Ohren angelegt. Dann gewahrte Brennan es auch. Unmittelbar hinter der jungen Druidin war es dunkler geworden. Im Zwielicht der Nacht hatte er es nicht sofort bemerkt, doch diese Dunkelheit vermochten nicht einmal die scharfen Augen der Waldelfen zu durchdringen. Der kleine Fuchs ging wie vor einem überlegenen Gegner in die Knie, und Brennan sah noch die Irritation auf Ylenaveis Gesicht. Dann war die Dunkelheit mit einem Mal über ihr, und ehe der Waldhüter noch einmal blinzeln konnte, war die Druidin verschwunden.

Mit panischem Jaulen flüchtete der Fuchs in die Dunkelheit des Waldes. Selion, der dem Geschehen am nächsten gewesen war, trat perplex an die Stelle, an welcher Ylenavei eben noch gesessen hatte, und sah sich hastig um. Nach einer langen Sekunde des Schreckens schluckte Brennan und richtete einige knappe Befehle an die Hüter. In Windeseile durchsuchten sie die Umgebung nach etwas oder jemandem, welcher für das soeben Geschehene verantwortlich sein mochte. Gleichzeitig riefen sie Ylenaveis Namen. Brennan hoffte inständig, sie würden die Stimme Yews irgendwo in der Nähe finden.

Doch wenige Minuten später sammelten sich die Waldhüter auf der kleinen Lichtung. Ihre sechs Gesichter waren allesamt von Hilflosigkeit und aufkeimender Panik gezeichnet. Brennan schluckte erneut. Hauptmann Farhedrel würde außer sich sein, wenn er erführe, was geschehen war, und der Patrouillenführer war gewiss, dass Hüterin Galasha angesichts dieses Unglücks nicht zögern würde, mit aller Dringlichkeit nach ihm zu schicken. Insgeheim wünschte Brennan sich in die kalten Mauern des Verlieses zurück. Dort mochte die Wache zwar eintönig sein, doch geschahen dort nicht solch unvorhersehbare Dinge. Es half jedoch nichts. Mit einer knappen Anweisung rief er die Hüter zusammen, welche sich auf ihre Ostards schwangen und auf schnellstem Wege ins Dorf zurückgaloppierten, um ihren Vorgesetzten Bericht zu erstatten.

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[OOC: Nur zur Vorbeugung von Herzinfarkten und Ähnlichem : Ihr werdet bald erfahren, wohin Ylenavei verschwunden ist. Eines schonmal vorweg: Es wird keine Rettungsaktion in der Form, dass ihr sie irgendwo befreien müsst, nötig sein. Ihr werdet erfahren, wo und wie ihr sie in den nächsten Tagen wiederbekommt. Einen genauen Zeitpunkt dafür werden wir schon untereinander austüfteln. Ihr könnt also getrost euer RP machen, auch eine Such- bzw. Rettungsaktion diskutieren, aber keine Sorge, alles ist ganz stressfrei geplant ;).]

 

Ylenavei

#1
Ein Tag und eine weitere Nacht des Wartens und der verzweifelten Suche waren vergangen. Pausenlos waren Hüter im Wald auf Spurensuche und ritten durch die Gebiete jenseits der Grenze. Kundschafter waren nach Britain und Minoc geschickt worden, um sich diskret umzuhören. An Magincia und den Herrscher der Menschen waren Botschaften gesandt worden, mit Bitten um Kontaktaufnahme zum Austausch von Wissen über irgendwelche dunklen Aktivitäten. Doch... es war nicht einmal sicher, ob diese Botschaften ihre Ziele überhaupt erreicht hatten.

Brennan, der Patrouillenführer in jener Unglücksnacht, sah zum Himmel auf, ohne zu wissen, was er dort eigentlich suchte. Wie er so in das blaue Dach über dem Dorfplatz Yews starrte, gewahrte er plötzlich die Silhouette eines großen Raubvogels. Der Waldhüter kniff die Augen zusammen. Das Tier musste groß sein, ein Adler, wie er gewöhnlich nur im Hochgebirge horstete. Er zog weite Kreise über dem Dorf, und sank dabei stetig tiefer. Als Brennan bereits erwartete, dass der Vogel jeden Augenblick auf eine Beute am Boden herabstürzen würde, sauste plötzlich vor seinen Augen etwas von oben herab und fiel mit leisem Plumpsen ins Gras.

Sofort schoss der Hüter auf die Grasbüschel neben dem Dorfbrunnen zu, und hob ein etwa faustgroßes Etwas auf. Als er sich das Ding genauer besah, erkannte er einen grünen Seidenfetzen, welcher mit Stricken um einen Stein gewickelt war. Brennan spürte sein Herz klopfen, als er an den Stricken herumnestelte, um sie zu lösen. Solche Seide hatte Ylenavei vorgestern Nacht getragen, als sie vor den Augen der Patrouille verschwunden war. Endlich..endlich lösten sich die Stricke, und Brennan ließ den Stein zu Boden fallen, als er den Stofffetzen genauer in Augenschein nahm. Seine Augen weiteten sich. Auf der Innenseite des Stoffs war mit blutroter Tinte ein einziges Wort gekritzelt. "Despise". Endlich...eine Spur. Der Waldhüter machte auf dem Absatz kehrt und eilte in Richtung der Garnison davon. Hüterin Galasha musste umgehend von dieser Entdeckung erfahren.

Ylenavei

#2
Dunkelheit. Kein Tag, keine Nacht, keine Zeit. Nur Dunkelheit. Diese Welt war kalt und leer. In den dunklen Grotten, in der ganzen marmornen Stadt, schien kein Leben zu sein. Sie war bewohnt, sogar dicht bevölkert, und doch hing unheilvolle Stille über den Straßen und in allen Räumen. Da war kein Lachen, keine fröhlichen Stimmen, kein Beisammensein. Stattdessen waren die Gassen mit Furcht gefüllt, mit stiller Verzweiflung vor unbändigem Zorn.

Der kleine Raum war bedrückend eng. Kalte, weiße Wände, oben, unten, vorne, links wie rechts. Irgendwo hinten musste eine Gittertür sein. Das harte Klirren der Gitter kündete neue Pein an. Schmerz, Erniedrigung, zermürbende Fragen. Endlose Stunden, die wie Feuer brannten, sich unerbittlich in die Seele bissen, mit jedem Hieb, mit jedem Schrei ein Stück davon zu zerreißen drohten. Wenn dann das einzige, dämmrige Licht in dieser Welt verschwand, und mit ihm die groben Hände und hasserfüllten Stimmen, kehrte die kalte Leere des Raumes mit noch größerer Macht zurück.

Das drückende Schweigen drang kalt in Ylenaveis gepeinigte Glieder. Ihr eigener, schwerer Atem und das leise Rasseln der Ketten, die ihren vor Kälte zitternden Körper aufrecht hielten, waren die einzigen Laute, die die Stille durchdrangen. Noch nie zuvor hatte sich die junge Druidin so vollkommen verlassen gefühlt. Kein Wind, der sang, kein fernes Meeresrauschen, kein Laut. Die heilige Quelle mit ihren belebenden Strömen schien unendlich fern. Gleich, als hätte es sie nie gegeben.

In der Ferne hallten harte Schritte. Metallisches Poltern, ein dumpfer Klagelaut. Ylenavei spürte sich heftiger zittern. Nagende Furcht stieg aus ihrem Innersten empor. Sie kamen wieder. Kamen, um ihren Zorn, ihren Hass, ihre Verzweiflung auf sie einhageln zu lassen. Mochte es ihr Schicksal sein, mochte all das Leid dieses Mal ein Ende finden, ein Ende in Erlösung, in Frieden... Doch, gab es hier, in dieser Leere, noch einen Weg in das Meer der Ewigkeit? Würde ihr Weg nun für immer in dieser Kälte enden?

[...]

Sie zitterte am ganzen Leib. Nur langsam begriff Ylenavei, wo sie sich befand. Das Haus der Heilung. Sie lag auf der Seite, die Wange auf weiche Laken gebettet. Ihr wundes Bein pochte, und jeder Atemzug rief ihr ihren geschundenen Rücken in Erinnerung. Eine Decke wärmte ihre schmerzenden Glieder, doch die Kälte in ihrer Seele vermochte sie nicht zu vertreiben. Spätestens, wenn die erschöpfte junge Waldelfe die Augen schloss, kehrte das Entsetzen in ihren Träumen zurück.

Nun jedoch fiel Ylenaveis Blick auf einen Rotschopf, der vor ihrer Brust auf den Laken zusammengesunken war. Eyela. Ihr tapferes Lehrmädchen musste die ganze Zeit hier gewacht haben, bis die Erschöpfung sie überwältigt hatte. So viel Leid und Furcht, so viel Kummer hatten die dunklen Geschwister über Yew gebracht. Und sie, Ylenavei, lag hilflos da, unfähig, den Geschwistern Kraft und Trost zu geben.

Vorsichtig hob die geschwächte Druidin ihre rechte Hand, um sacht über Eyelas rote Haare zu streichen. Ihre Schulter protestierte schmerzhaft, und durch Tränenschleier hindurch erkannte sie saubere, weiße Bandagen an ihrem Handgelenk. Sie verbargen das Grauen, welches sich so tief in ihre Haut, in ihre Seele, hineingebrannt hatte, zumindest vor den Augen der Geschwister... Müdigkeit trübte Ylenaveis Gedanken, eine endlose, nicht weichen wollende Erschöpfung. Mochte die heilige Quelle ihr, mochte sie ihnen beiden Ruhe gewähren, tiefen Schlaf, weitab von Schmerz und Kummer. Die roten Haare verschwammen vor ihren Augen, als die schweren Lider sich darüber senkten. Heilige Quelle..nimm uns diese Schmerzen...

[...]

"Kein Geschöpf der Quelle ist eines Anderen Besitz..." Tonlos bewegten sich Ylenaveis Lippen. Wieder und wieder drehte sich dieser Gedanke in ihrem Kopf. "Kein Geschöpf der Quelle ist eines Anderen Besitz...", flüsterte die junge Druidin, während sie spürte, wie die Verzweiflung sie einholte. Sie saß in ihrem Bett, gestützt durch weiche Kissen im Rücken, und starrte auf ihre bandagierte rechte Hand hinab. "Kein Geschöpf der Quelle ist eines anderen Besitz..." Die weißen Binden verbargen ihren furchtbaren Makel. Doch Ylenavei glaubte, das Mal dennoch sehen zu können, das doppelte 'F' auf dem Rücken einer hässlichen Spinne, die sich unerbittlich in ihre Haut gefressen hatte.

Wenn Henyai oder die tapfere Eyela die Verbände wechselten, sah die verwundete junge Waldelfe nicht hin. Zu sehr setzten ihr der Kummer und die Hiflosigkeit in den Augen der herzensguten Geschwister zu. Henyai, der Heiler, hatte keine Hoffnung, dass das verhasste Brandmal jemals vollkommen heilen würde. Verzweifelt ballte Ylenavei ihre Rechte zur Faust. Es gehörte dort nicht hin. Sie hatte sich diesem...Monstrum nicht unterworfen, sondern an den Grundsätzen der heiligen Quelle festgehalten, aller Pein zum Trotz. 'Kein Geschöpf der Quelle ist eines Anderen Besitz', sagte einer dieser Grundsätze aus, und dieser Satz kreiste unablässig in Ylenaveis Seele.

Kein Geschöpf der Quelle ist eines Anderen Besitz... es war Anmaßung, es war allerverwerflichste Anmaßung, anderes zu behaupten. Und Unterwerfung mit Grausamkeiten zu erzwingen, war in den Augen der Geschwister unter den Bäumen ein unvorstellbares Vergehen. Abscheu stieg in der Druidin auf, Abscheu gegen ihre eigene Haut, die von solcher Anmaßung gezeichnet war. Ylenaveis Finger verkrallten sich in der weißen Binde, als in ihr das Gefühl überhand nahm, dies alles von sich zu reißen, sich endgültig von diesem schrecklichen Makel befreien zu wollen...

Die Tür öffnete sich leise quietschend. Schlagartig kehrte die Vernunft zurück. Henyai stand in der Tür, ein Tablett mit Teegeschirr in den Händen. Ylenavei ließ rasch die Hände neben sich auf die Decke sinken und überwand sich zu einem leichten Lächeln. Der Heiler war so bemüht um sie, und die anderen, Eyela, Gildin und Fiona, ertrugen so tapfer ihren Kummer, um sie zu pflegen. Töricht war sie, sich derart überwältigen zu lassen und den Lohn ihrer Mühen zu gefährden.

Die junge Druidin seufzte tief, als sie die Teetasse aus den Händen des Heilers entgegennahm. Unwillkürlich fiel ihr Blick erneut auf die bandagierten Gelenke. Es war nicht rechtens, was sich dort verbarg. Kein Geschöpf der Quelle war eines Anderen Besitz...

[...]