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Gnade vor Recht

Begonnen von Christian, 11. Januar 2008, 17:20:49

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Christian

Mit eifrigem Händedruck beglückwünschte Coldron seinen neuen Kollegen in den Reihen der Stadtwachen. Am vergangenen Tag erst hatte er Ricardo Dekar in der britannischen Kirche kennen und schätzen gelernt. Nun sollte auch er ein getreuer Gardist Britains werden.

Die Amtsaufnahme ging schnell von statten, so wie es der Hauptmann auch bisher bei Xantar und ihm selbst vollzogen hatte. Eine kurze Aufklärung über seine Pflichten, das Aushändigen der Gardisten-Rüstung, die Verleihung des Abzeichens und ein paar mehr oder weniger gedrungene Worte.

Stolz nahm Ricardo Maß an seiner neuen Dienstbekleidung, als beide im Morgengrauen vor der Bank ankamen. Als Coldron sich umblickte sah er auch schon Xantar auf sie zuwandern, müden Schrittes hielt er auf sie zu. Schon gleich machte Coldron beide miteinander bekannt und ein ausgelassenes Gespräch entbrannte.

Plötzlich vernahmen sie ein lautes Geschrei aus südlicher Richtung. Gleichzeitig drehten sich ihre Köpfe in Richtung der zu vernehmende Schreie. Ein aufgebrachter Mann kamen ihnen entgegen geeilt, laut um Hilfe rufend. Als er das Grüppchen erblickte, lief er auf sie zu und brachte nicht viel mehr heraus als weitere Hilferufe.

Beruhigender Worte nahmen sie sich dem armen Männlein an, um den Grund für seine bittere Besorgnis herauszufinden, waren sie als Paladine und Wachmänner Britains, doch dazu verpflichtet jedem Hilfebedürftigen zur Hilfe bereit zustehen.
Es dauerte nicht lange, da sprudelte es aus dem Mann heraus. Überfallen hätte man ihn, ihm seine Habseligkeiten, sein Gold geraubt. Nun wurden die Drei aufmerksam, nach kurzer Befragung des Bestohlenen legten sie ihm ans Herz sich erst einmal zu beruhigen, sie würden sich um alles kümmern.

Geschwind warfen sie sich ihre purpurnen Wach-Umhänge über die Schultern und machten sich schnellen Schrittes auf gen Süden, wo sich der Vorfall laut Aussage des Mannes zugetragen hatte. Eine in weiß gehüllte Person sollte den Diebstahl begangen haben. Wachsam hielten sie Ausschau und spähten in jede Ecke. Gestellt werden musste dieser Dieb, nicht auszudenken, welch Folgen weitere Raube haben könnte, wurden doch gerade erst zwei fähige Paladine in den Orden erhoben und die Wachmannschaft aufgestockt. Ein Versagen würde sich wie ein Lauffeuer im Volke herumsprechen. Ein erfahrener Gardist wie Yannick wäre ihnen nun sicher von Vorteil gewesen. Doch nun waren ihre Fertigkeiten gefragt.

Nachdem sie beschlossen hatten sich aufzuteilen, trug es sich zu, dass Xantar den Hafen erreichte. Möglicherweise hatte sich der Dieb bereits eingeschifft und war dabei die Stadt auf dem Wasserwege zu verlassen. Xantar eilte auf die Gardisten am Hafen zu, um jene zu befragen. Einer von ihnen schaffte es tatsächlich sich aus seinem Halbschlaf zu befreien und kund zu geben, dass er nichts Ungewöhnliches bemerkt hätte. Voller Verdruss kehrte Xantar sich ab und ging selbst die Stege ab, um sich umzusehen. Es dauerte nicht lang, da erblickte er ein altes Väterchen, was sich an der Anlegestelle eingerichtet hatte und genüsslich seine Pfeife paffte.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten wusste der Alte alsbald etwas gesehen zu haben. So riet er den Dreien im Osten weiterzusuchen, wo sich kürzliche ein eiliger Kuttenträger hin aufgemacht hätte. Möglich, dass es der Räuber war. Sie durften keine Indiz auslassen, so teilten sie sich abermals auf, um im östlichen Teil der Stadt weiterzusuchen.

Hier und da schauten sie nach, hinter jedem Baum und in jedem Häuschen, bis Ricardo, frisch in seinem Posten, doch entschlossen wie eh und je, einen des Weges daherstolzierenden Mann befragte. Anfangs wollte auch er nichts gesehen haben, eifrig redeten alle Drei auf ihn ein. Zwielichtig war sein Verhalten, weshalb sie nicht vom ihm abließen.
Coldron kannte solch Gestalten allzu gut, eigennützige Tunichtgute, denen nur etwas Gold die Zunge lockern konnte.
Nachdem ihm von Coldron und Xantar etwas auf die Sprünge geholfen wurde, gab er den Dreien zu verstehen, dass sich der Dieb wohl in einem der baufälligen Wohnhäuser am Standrande aufhalten würde.

Nun war Vorsicht geboten, der Räuber durfte nicht entwischen. Geschwind durchsuchten sie sämtliche Bauten, wieder horchten sie einige Mitbürger aus. Alsbald trafen sie dann ein Weib an, welches zusammengekauert auf ihrem Schemel saß und nicht recht wusste auf ihre Fragen zu antworten. Die Drei nickten sich zu, die Alte schien etwas zu wissen.
So wurde sie ins Kreuzverhör genommen bis sie schließlich in Tränen ausbrach. Tröstende Worte sollten sie nun zum Reden bringen. Doch sollte sich die Sache im nächsten Moment von selbst klären. Auf einmal erklang nämlich ein unüberhörbares Geräusch aus des Raumes Ecke. Ein Mann kauerte dort, eine vorgeschobene Stellwand sollte sein Versteck schützen, doch schnell wurde er von den Dreien gestellt. Man leerte seine Taschen und fand das gesuchte Diebesgut. Hier hatten sie ihn nun, den Räuber.

Ein jämmerliche Bursche, wohl der Bruder des Weibes gestand nun reumütig den Diebstahl. Als Grund gab er seine Mittellosigkeit an, er ging keiner Verrichtung nach und konnte nicht für seine Familie, die Hunger leiden musste, sorgen.
Die Gardisten berieten sich nun, wie verfahren werden sollte. Der Gesetzestext wurde hervorgeholt und zitiert, nun hatten sie das erste Mal ein Urteil zu fällen. Mitleidig betrachteten sie sich das bedauernde Duo. Fünf Säcke an Gold sollte die festgesetzte Strafe sein, so sah es das Gesetz vor.
Die beiden waren bettelarm, es war nicht zu übersehen, aber war es ihre Pflicht die geltenden Gesetze auszuführen.

Barmherzigkeit, Güte und Hoffnung. Waren dies nicht Tugenden, denen sie im Glauben an die Viere ihren Schwur geleistet hatten? Sie waren sich einig, der Bursche tat ihnen leid, ebenso wie die Schwester. Arme Bürger und treue Kirchgänger, die die Not zur Verzweiflungstat getrieben hatte. So wurde eine milde Strafe in Form von Hilfsarbeiten während der Kirchmesse für beide festgelegt, natürlich musste auch das Diebesgut an den Bestohlenen zurückgegeben werden.

Hier erging Gnade vor Recht zur rechten Zeit. Ihre kühne Lösung des Vorfalles bewies ihre Würdigkeit, ihren unerschüttlichen Glauben und ihre Tugendhaftigkeit, nach denen ein echter Paladin zu handeln pflegt.
Auf dass ihre Taten weiterhin ganz Britannien dienlich sein mögen!