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Unruhen in Yew

Begonnen von Nev, 06. Januar 2009, 16:48:38

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Nev

(Für die mit wenig Zeit/Lust zum lesen: Wirklich relevant ist nur der 2. Abschnitt. Danke für die Schilderung auf Seiten der Waldelfen.)


Unruhen in Yew


Er wusste, dass es gefährlich werden würde, Nym hatte es ihm immer wieder eingeprägt, aber es war wichtiger, als seine Unversehrtheit, bedingt jedenfalls. Er musste es schließlich zurückbringen. Das war das wichtigste, es würde eine noch nie dagewesene Chance bieten, würde er Erfolg haben.
  Unweite Stimmen rissen ihn jäh aus seinen Gedanken. Er hatte die Grenze erreicht, sie waren in den letzten Jahren verstärkt worden, mehr Wachen, einige Türme gab es hier nun, jedoch nichts, was ihm gefährlich werden könnte, dafür kannte er diesen Wald gut genug.
  Es begann zu regnen.
  Mit einer kurzen Handbewegung entnahm er seinem Gürtel eine mit einer gräulichen Flüssigkeit gefüllte Phiole. Der Inhalt stank erbärmlich nach einer Mischung aller ihm bekannter Gestanksvariationen, dennoch überwand er sich das Gebräu zu schlucken. Sofort schärfte sich sein Blick, nicht nur die Konturen der Gestalten, die sich unweit von ihm auf ihren unsichtbaren Wegen durch den Wald schlägelten, wurden schärfer, er konnte förmlich das Blut in ihren Adern pulsieren sehen, sah die Wärmewolken, die die Elfenpatroullie mit ihrem Atem ausstieß. Auch sein Gehör schien sich verfielfältigt zu haben, die leichte Brise, die eben noch nur mit Mühe zu erahnen war, verwandelte sich zu einem tosenden Sturm in seinen Ohren; das Rascheln seines Mantels erschien ihm so unerträglich laut, dass er dagegen anschreien wollte; der Herzschlag der Lebewesen, die ihn umgaben, donnerte unerlässlich un einem verworrenen Geflecht aus Paukenschlägen auf ihn ein. Er hatte die Wirkung des Trankes in einem belebten Wald maßlos unterschätzt und brauchte eine Weile, um seine Sinne zu richten.
Er harrte einige Minuten in seinem Versteck aus, ehe er, als sich die Gelegenheit bot, lautlos loslief, vor Wachsamen blicken geschützt durch die vermeintlich besten Freunde der Waldbewohner: Bäume und Sträucher.
  Als er die Grenze passiert hatte, wendete er sich in Richtung Nord-Osten, wo er nach kurzer Zeit die verfallene Hütte vorfand. Er spähte kurz durch ein Fenster in das Innere der vollends von Moosen, Flechten und anderen Gewächsen überwucherten Behausung. Er konnte keine bewusste Lebensform erkennen und glitt rasch durch das Fenster hinein. Ungeachtet der Zahlreichen Käfer, Schaben und anderen Krabbeltiere, die sich nicht nur im morschen Holz der Wände und Decken zu tummeln schienen, sondern gerne auch auf den Treppenstufen, die zum Obergeschoss führten und so eine besonders widerwärtige Mischung aus einem kurzen Knacken, dicht gefolgt von einem schleimigen Gefühl unter den Sohlen hervorriefen, bahnte er sich seinen Weg zielstrebig zu der alten Metalltruhe, die sich auf dem Speicher finden ließ.
  Er wollte nur so wenig spärrigen Ballast, wie möglich beim überqueren der Grenze bei sich tragen und hatte deshalb in den Tagen zuvor bereits Etappenweise alle nötigen Utensilien in die Kiste geschmuggelt. Darin fanden sich ein schlichter, unscheinbar aussehender Stein, ein matt leuchtender und leicht pulsierender Kristall und eine handliche Repetierarmbrust, für den Fall, dass er mehr Publikum haben sollte, als er beabsichtigte. Er packte alle Sachen ein, verließ anschließend das Gebäude durch ein Loch im Dach und setzte seinen Weg in Richtung Yew fort.
   Je näher er seinem Ziel kam, desto dichter schien der Wald zu werden und zu seiner Überraschung schienen im Gegensatz dazu die Zahl der Wachposten immer weiter abzunehmen, was ihn beuhruhigte. Er wechselte oft die Richtung und blickte sich immer öfter um, im Glauben er werde beobachtet, doch ausser den Tieren, scheinen keine Beobachter zugegen zu sein, was keineswegs beruhigender war.
 
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   Nach einer unbestimmten Zeit, die er auf etwa eine Stunde schätzte, hatte er sein Ziel erreicht. Von der Wegkreuzung aus konnte er sowohl den Häuserkomplex um das Stadtzentrum herum, als auch die Treppen, die zur Gefängnisanlage führten sehen. Rasch holte er den Stein, den Kristall und die Rolle, die er von Nym erhalten hatte heraus und breitete alles vor sich aus. In der Hoffnung, der Kristall würde sich zur Spitze hin entladen, richtete er diesen auf den flachen, glatten Stein und rief sich erneut in Erinnerung, was Nym ihm versucht hatte beizubringen. Die Behauptung, dass ... Magie alle Kinder Lloths durchströmte, war ihm keineswegs fremd gewesen, dass aber auch er selbst zumindest bis zu einem gewissen Grad lernen konnte diese bewusst zu nutzen, hatte ihn ... erstaunt.
   Als er bemerkte, wie er in Gedanken abgeschwiffen war, rügte er sich innerlich. Dies hier war wichtig. Er versuchte sich zu konzentrieren, wie Nym es ihm eingeprägt hatte, suchte nach der Magie, die Ihn durchströmen sollte, sprach die Laute von der Rolle und wartete gespannt. Nichts geschah. Er fluchte. Aus einer Gürteltasche holte er eine Wurzel hervor, auf der er im Anschluss energisch herumkaute, bis sie süßlichen Saft abzusondern schien und er spürte, wie sein Herzschlag langsamer wurde. Seine Gedanken beruhigten sich, wenn sie eben noch einem stürmenden Meer glichen, so näherten sie sich immer mehr einem ruhenden See an, bis er vollkommen ruhig war. Ein Gefühl von grundloser Gelassenheit schien ihn zu erfüllen, sodass er fast zu lächeln begann.
  Erneut legte er die Hand auf den Kristall, er spürte sie kaum noch. Erneut suchte er nach der Energie, er fand sie diesmal fast mühelos. Erneut sprach er die Worte, die ihm die Rolle diktierte und, er traute seinen geschärften Augen kaum, ein Funke sprang auf den Kristall über, begleitet von einer tiefen Müdigkeit und Erschöpfung, die ihn überkam. Der Funke glitt derweil im inneren des Kristalls umher, prallte an den Wänden ab und wurde mit jedem mal etwas größer und heller. Gleichzeitig beschleunigte der Lichtball seine Geschwindigkeit, bis er nurnoch ein einziger gleißender Strahl war, der sich durch die Spitze des Kristalles entlud.
   Nerevarh schrie vor Schmerz. Er riss seine Hände vor die Augen, im nächsten Moment donnerte es. Eine unsichtbare Faust traf ihn, er schleuderte einige Meter durch die Luft, schlug hart auf den vom Regen durchnässten Boden auf. Ein hohes Pfeifen übertönte alle Geräusche, gnädige Stille.
   Er mochte nicht aufstehen, die Erschöpfung hing ihm schwer in den Muskeln, die Welt war von kleinen Lichtpunkten erfüllt, die in seinem Blickfeld aufleuchteten und wieder erloschen. Er schloss die Augen, nichts wollte er sehnlicher, als schlafen.
  
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  Schreie rissen ihn aus dem Dämmerzustand. Er hatte geschlafen? Mit einem mal raste sein Herz, ungeschickt rollte er sich auf den Rücken, die Wirkung der Wurzel hatte noch nicht zur gänze nachgelassen, er spürte seinen Körper, als wäre es ein Fremdkörper, ein Klotz an seinem Bein, der ihn am rennen hinderte. Panisch versuchte er sich aufzurichten, Stiche, wie von tausend Nadeln durchdrangen seinen Bauch und trieben auch den letzen Nebel des Schlafes aus seinem Körper. Er musste fort und das schnell. Hektisch griff er nach dem Stein, der nun stark zu leuchten begonnen hatte und schimmernde Linien an sich haften hatte, die sich über die Oberfläche wanden, was den Dunkelelfen nicht im geringsten interessierte. So schnell er konnte, trug er seinen Körper von den immer lauter werdenden Stimmen fort.
   Nach einer Weile, die Stimmen waren nicht leiser geworden, obwohl er bis zu diesem Zeitpunkt nicht Inne gehalten hatte, lehnte er sich an einen Baum und rang keuchend nach Luft. Nun erkannte er auch, warum er den Stimmen nicht entkam, er blutete aus zahlreichen Wunden am Bauch und hinterließ eine schwerlich übersehbare Blutspur. Zischend fluchend riss er ein Stück seines Mantels ab ,drückte es auf die Wunden und wechselte die Richtung, ohne zu wissen, wohin.
   Die Stimmen waren zu seiner Erleichterung verklungen, nachdem er sich eine Weile lang in ungewisse Richtung geschleppt hatte. Er wurde schwächer, er spürte es, sein Blick verschwamm, immer öfter überkam ihn die Dunkelheit, hören konnte er nur seinen Herzschlag. Wieder hielt er inne und sah sich um. Er erkannte die Gegend, er stand auf einer kreisförmigen Lichtung, in deren Mitte sich ein riesiger Baum befand, im Radius von etwa 30 Schritt um den Baum herum wuchs nichts, ausser Gras und Blumen.
   Von Hoffnung mit neuer Kraft erfüllt, näherte er sich eifrig dem Baum und löste die Armbrust von seinem Rücken. Am Baum angekommen, untersuchte er dessen Wurzeln und fand bald, von einem Busch verdeckt, ein Erdloch, in das er mit Leichtigkeit hinein passte, kraftlos glitt er die kühle Erde hinab, ehe ihn sein Bewusstsein verließ.

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Am nächsten Morgen weckten ihn unsanft die grellen Sonnenstrahlen. Er fühlte sich scheußlich, sein Nacken schmerzte, alle Gelenke seines Körpers schienen versteift, doch es war besser, als in der Nacht zuvor. Nach einiger Zeit robbte er aus dem Loch und schlug den Weg Richtung Heimat fort, wo er seine Mission erfolgreich abschließen würde.

Schokoline

#1
Auf ihrem Weg durch das Dorfzentrum Yew's entdeckte Mayille Arawnar auf der Bank am Brunnen sitzend und gesellte sich sogleich zu ihm. Erfreut begrüßte sie ihn, und sie tauschten Neuigkeiten aus.
Plötzlich, mitten im Gespräch, leuchtete ein greller Blitz auf. Beide hielten geblendet den Arm schützend vor die Augen. Gleich darauf folgte ein ohrenbetäubender Knall. Arawnar und Mayille starrten mit offenen Mündern und aufgerissenen Augen gen Süden, wo dieses Ereignis seinen Ursprung zu haben schien. Sie wechselten einen kurzen beunruhigten Blick miteinander und erhoben sich, um den Dingen auf den Grund zu gehen. Am Waldrand hielten sie kurz inne, bis sie ein sich gen Süden entfernendes Geräusch vernahmen. Sie lenkten ihre Schritte in diese Richtung und stießen zwischen den Bäumen auf einen glühenden Kristall. Daneben entdeckten die beiden eine Blutspur, der sie entschlossen folgten. Da! Plötzlich erspähten sie zwischen den Bäumen eine dunkle Gestalt, die sich offenbar unter Schmerzen gekrümmt so schnell sie konnte fortschleppte. Arawnar rief der Gestalt zu, stehen zu bleiben. Sie reagierte nicht. Die beiden Waldelfen folgten ihr noch ein paar Schritte, doch sie war zu rasch zwischen den Bäumen verschwunden. Und auch die Blutspur brach abrupt ab. Mayille und Arawnar hielten inne und schauten sich besorgt mit gerunzelter Stirn an. "Es war ein Drow!", murmelte Arawnar mit tiefer Stimme und Mayille kroch sofort eine Gänsehaut den Rücken herauf.
Was hatte das zu bedeuten? Als hätten beide den gleichen Gedanken gehabt, gingen sie rasch zu dem leuchtenden Kristall zurück. In der Hoffnung, dort Antworten auf ihre Fragen zu finden, gingen sie in sicherem Abstand vor dem Kristall in die Hocke und beobachteten, wie das Glühen immer schwächer wurde, bis nur noch einige heiße Splitter von ihm übrig waren. Arawnar sammelte diese vorsichtig ein und entdeckte dann an einem Baumstamm ein vergilbtes, abgegriffenes Pergament. Er rollte es auseinander und versuchte, die Schrift zu entziffern. "Es scheint, als würde es sich um eine magische Formel handeln", sprach er und reichte es Mayille. Mit ernster, beinahe versteinerter Miene nahm sie das Pergament und die Kristallsplitter an sich. Drow im Hain der Lairfey, dachte sie zutiefst beunruhigt bei der Erinnerung daran, daß sie einst etwas ganz ähnliches erlebt hatte, das grausam endete. "Finde Laryndiira und händige ihr die Sachen aus. Wenn jemand Rat weiß, dann sie." beauftragte Arawnar die junge Waldelfe, und fuhr fort: "Ich reite sofort zu den Grenzwachen, um sie darüber zu informieren, was hier vorgefallen ist. Irgendwo muß dieser Drow wieder die Grenze passieren. Hoffen wir, daß es ihm nicht gelingt." Er nickte Mayille ernst und bedeutungsvoll zu und entfernte sich eiligen Schrittes.
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Mayille wußte, welche Verantwortung nun auf ihr lastete und daß Eile geboten war. Sofort sandte sie eine Taube zu Laryndiira, daß ihre Anwesenheit in Yew dringend erforderlich sei.
Es dunkelte bereits, als die große Magierin mit Mayille zusammentraf. Aufgeregt und nach wie vor beunruhigt berichtete Mayille ihr von den Geschehnissen und überreichte ihr das abgenutzte Pergament und die Kristallsplitter. Sofort verglich Laryndiira den Inhalt der Pergamentrolle mit ihren Notizen in einem schweren ledergebundenen Buch. Wie gebannt verfolgte Mayille ihr Tun und hoffte auf eine Antwort, was es mit diesen geheimnisvollen Gegenständen auf sich habe. Kurz darauf hob Laryndiira den Kopf, blickte Mayille ernst an und sagte: "Es handelt sich offenbar um eine Formel zur Markierung von Runen." Nachdem sie sich versichert hatte, daß es wirklich ein Drow gewesen war, den Arawnar und Mayille gesehen hatten, führte sie ihre Gedanken fort: "Es muß ein Attentäter gewesen sein. Sonst hätte er sich niemals so weit nach Yew hineinschleichen können." Mayille's Besorgnis wuchs um ein Vielfaches nach Laryndiira's Worten. Sie berieten sich kurz, wie nun weiter verfahren werden solle und verabschiedeten sich zum Schluß nicht in der gewohnten Leichtigkeit.

Mit schweren Gedanken und sich immer wieder nervös umschauend trat Mayille danach den Heimweg an.
"Die Kinder sind die wirklichen Lehrmeister der Menschheit." Peter Rosegger