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Autor Thema: Geister der Nacht  (Gelesen 1066 mal)
Ylenavei
GameMaster
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Beiträge: 852
Chars: Ylenavei'rar Deihlana

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« am: 30. März 2015, 13:38:32 »

Ein Herbststurm rüttelte an dem hölzernen Haus auf einer Landzunge im Norden der Siedlung Yew. Balken und Planken knarrten und ächzten unter den Kräften der Natur, doch Ylenavei fürchtete nicht um ihr Heim. Die junge Druidin wusste, dass es mit dem Wissen ihrer Vorfahren erbaut worden war, welche ihre Werke so in Land und Leben einzufügen wussten, dass sie mehr Teil der Natur waren als ihren unerbittlichen Kräften im Wege zu stehen. Wind und Wetter waren Teil von Ylenaveis Zuhause, den Wäldern von Yew, oder vielmehr von Drakovia, jener Insel, zu welcher das Reich der Waldelfen zählte. Wind und Wetter waren ebenso Ylenaveis treue Gefährten, wenn sie auf dem Rücken ihrer Einhornstute valdra durch die Wälder streifte, die vielfältigen Geschöpfe Allhanas beobachtete und, wo nötig, die erquickenden Kräfte der heiligen Quelle lenkte um Heilung zu wirken oder Ordnung zu schaffen, wo dunklere Mächte die Ströme des Lebens störten.

Seit Jahren hatte Ylenavei sich nicht mehr so leicht, so von tiefer Zufriedenheit erfüllt gefühlt, wie in den zurückliegenden Wochen, seit sie sich in der Kluft der Druiden auf valdras Rücken geschwungen und die Allleyasai'i, ihre allgegenwärtigen Leibgardisten, angewiesen hatte in Yew zurückzubleiben, als sie in den farbenfrohen Herbstwald hinausgeritten war. Eins mit Bäumen und Tieren genoss die junge Druidin das Wirken, zu welchem ihre Gabe sie bestimmt hatte, und spürte wie es ihrer Seele Kraft gab. Eines Tages, wenn die Wälder von Yew erneut eine Stimme brauchten, die für ihre Bewohner sprach, würde Ylenavei für diese Kraft dankbar sein. Das Wirken als Allleya, als Stimme der Wälder, war um so vieles kräftezehrender als der Dienst der Druiden. Doch in diesen Tagen war Drakovia still, und auch die Stimme durfte schweigen.

Nichts desto trotz gab es stets viel zu tun, und immer neue Rätsel warteten darauf ergründet zu werden. Die junge Druidin rückte behutsam das weisse Kaninchen zurecht, welches in ihrem Schoss hockte und sie wärmte. Das Tier hatte im Zuge der seltsamen Ereignisse in den jüngsten Tagen zu ihr gefunden. Nach langen, arbeitsreichen Tagen auf Allhanas Hügel, an welchen Ylenavei und ihre Helfer darum bemüht gewesen waren die alten Kräfte der Ahnen der Waldelfen wiederzuerwecken, um die Wälder von verborgenen Schatten des Einen Dunklen zu reinigen, hatte die Druidin endlich wieder Musse für einen Ritt mit valdra gefunden. Sie hatte einige Stiere aufgespürt, die einem der Menschenbauern vor Britain entlaufen waren, und eines Morgens war ihr das weisse Kaninchen zugelaufen. Darüber hinaus erschien ihr die kleine Reise ereignislos.

Keine zwei Tage nach ihrer Rückkehr nach Yew hatte jdoch unvermittelt der Magen der jungen Waldelfe rebelliert und jede Art von Nahrung verweigert. Auf Anraten ihrer besorgten Geschister-unter-den-Bäumen hatte Ylenavei sich alsbald in das Haus der Heilung begeben. Henyai, der Kräuterheiler, hatte nach seiner Untersuchung und einigen gezielten Fragen seine Überzeugung geäussert, dass keine Seuche für den Zustand der jungen Druidin verantwortlich zu machen war - zumal sie der einzige Krankheitsfall in Yew war und blieb. Vielmehr vermutete er irgendeine Art von Vergiftung, welche Ylenaveis Leib abzuwehren versuchte. Den Rest des Tages und die folgende Nacht blieb die junge Waldelfe in Henyais Obhut, bis ihr Leib die Schlacht schliesslich gewonnen und ihre Eingeweide wieder zur Ruhe gefunden hatten. Nun befolgte Ylenavei den Rat des Heilers ihrem Körper Zeit zu geben seine Kräfte wiederzuerlangen.

Der Geist der jungen Druidin war jedoch um so emsiger beschäftigt. Seit Henyai seine Diagnose geäussert hatte, suchte sie zu ergründen, wie dieses Gift, was immer es gewesen sein mochte, in ihren Leib hatte gelangen können. Sie vermochte sich an keinen Stich oder Biss oder sonst eine Verletzung entsinnen, welche zu einer Vergiftung hätte führen können, und sie bereitete ihre Nahrung auf Reisen stets nach allen Regeln der Waldläufer zu. Andererseits schienen Ylenaveis Gedanken jedes Mal, wenn sie an ihren jüngsten Ausritt zurückdachte, an irgendetwas vorbeizugleiten, das sich ihrer Erinnerung entzog. Was hatte sie nur vergessen? Mochte es einen Zusammenhang mit ihrer rätselhaften Vergiftung geben? Oder war dieses Gefühl bloss ein Produkt ihres Verlangens nach einer Antwort woher das Gift gekommen war?
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